Ikea und VW

Schon lange hatte ich den Verdacht, heute gab es neue Indizien!

Volkswagen und Ikea stecken unter einer Decke, planen und entwerfen ihre Produkte passend zu einander. Oder wie ist es zu erklären, dass bei jedem Umzug, bei dem ich bisher teilhaben durfte, die zu transportierenden Ikea -Möbel immer exakt in den verwendeten Transporter aus dem Hause Volkswagen passen, auch wenn man es vorher nicht glauben wollte? Heutiges Beispiel: Ikea-Pax (4-teilig inkl. aller Türen und der gesamten Innenausstattung) vs. LT 28.

Offen bleibt die Frage, ob die Transporter nach den Möbeln oder die Möbel nach den Transportern entworfen werden.

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Was übrig bleibt

Es war eine SMS die uns von dem Unfall berichtete. 160 Zeichen, vielleicht ein paar weniger. “Schwer” stand da. Und “ernst”. Außerdem “Intensivstation”. Aber auch “stabil”.

In den folgenden Stunden fügt sich das Bild zusammen. Noch im Morgengrauen hat es einen nicht ganz klaren Unfall gegeben, ihn trifft wohl keine Schuld. Schwere Verletzungen des Kopfes bei ihm, sonst keine Verletzten.

Und nach ein paar Tagen der Anruf: wenn Ihr ihn noch einmal sehen wollt, müsstet ihr morgen in die Klinik fahren.

Es ist ein saukalter Tag kurz vor Weihnachten und wir machen uns auf die Reise, immerhin 250 km, zu der Klinik, in der er liegen soll. Näher an seiner alten Heimat als an seiner neuen, und damit uns, seiner WG. In den letzten Tagen haben wir viel Zeit miteinander verbracht, es ist alles gesagt. Die Fahrt ist sehr schweigsam, wir haben alle Angst.

In der Zielklinik treffen wir seine Eltern im Foyer, außerdem Freunde aus anderen Teilen des Landes. Manche haben deutlich verweinte Augen, manche wirken apathisch, andere auffallend fröhlich. Zu zweit dürfen wir auf die Intensivstation.

Ich war noch Medizinstudent, hatte als einziger schon mal eine solche Station gesehen. N. und ich gehen gemeinsam rein, wir sind ja schließlich seine WG.

Ein kleiner Verband am Kopf, sonst ist nichts zu sehen. Er hat seine Hausschuhe an, die Füße seien etwas kühl.  Es laufen nur sehr geringe Dosen an Schlaf- und Schmerzmittel, eigentlich müsste ein Kerl seines Formats relativ wach sein. N. hält es nicht lange aus und geht hinaus.

Ich bleibe noch einen Moment am Bett sitzen, streichel seine Hand und sage ihm, dass es schön wäre wenn er bliebe, es aber in Ordnung sei, wenn er lieber gehen wolle.

Die Schwester lächelt und freut sich, dass “der Handballer” Besuch habe. Handball hat er nie gespielt, doch seine Statur und unsere Heimatstadt haben das Personal fantasieren lassen. Der Handballer von Bett drei.

Seine Eltern laden uns zu einem Snack ein, sie haben ein Appartement direkt neben der Klinik mieten können. Am Nachmittag bin ich der Einzige, der mit den Eltern noch einmal zu ihm gehen möchte.

Er hat hoch Fieber. Seine Eltern sitzen in dem kleinen Wartebereich vor der Station als ich hinaus komme. Als ich mich zu ihnen setze, schauen sie mich voller Erwartung an. In meinem Kopf haben sich meine Gedanken bereits formiert, ich fühle mich sehr sicher, das Richtige anzusprechen, tue mich aber schwer, es zu formulieren.

Aber als alles gesagt ist, fällt von uns dreien spürbar Spannung ab. Wie erklärt man den Eltern seines besten Freundes, dass Ihr einziger Sohn hirntot ist? Haben die Ärzte wirklich nichts dergleichen besprochen oder haben sie es verdrängt?

Als ich ihnen die Möglichkeiten der Organspende formuliere, weiss ich nicht, wie die Reaktion ausfallen wird. Finden sie es verwerflich, darüber zu sprechen, wo er doch wenige Meter weiter liegt und lebt? Das Gegenteil ist der Fall. Nachdem alles gesagt ist, wirken beide erleichtert. Seit Tagen hadern sie mit dem tragischen, unnötigen Unfall und seinen Folgen. Und nun ist das erste Mal seit langem wieder ein Gedanke da, der etwas Sinn und Hoffnung enthält. Nicht für ihn, aber für andere.

 

Viele Monate nach seinem Tod erfahren wir, dass alle wichtigen Organe entnommen und erfolgreich transplantiert wurden. Es gibt anonyme, aber sehr persönliche Briefe des Empfängers der Lunge und des Herzens voller Dankbarkeit im vollen Bewusstsein, ein neues Leben nur durch das Leid einer anderen, fremden Familie erhalten zu haben.

Ein Organ zu spenden ist das selbstloseste und größte Geschenk, was man seiner Nachwelt machen kann.

Schatten

Fast zwei Jahre haben sie mich in Ruhe gelassen. Ich durfte uneingeschränkt der gute, fröhliche Vater und Partner sein, der ich immer sein wollte.

Im Job hat der Wechsel der Abteilung mir gut getan; klar ist es noch etwas stressiger als vorher, aber für mich fühlt es sich genau richtig an. Phasenweise habe ich sie ganz vergessen, die Schatten, die mich seit nunmehr drei Jahren begleiten. Manchmal, ganz selten, und schon lange nicht mehr, haben sie mich gemahnt, etwas kürzer zu treten. Die zur morgendlichen Routine gewordenen Medikamente habe ich immer weiter reduziert. Von Anfangs 40 mg auf 20, nun auf 10 und an manchen Tagen vergesse ich sie ganz. Die wöchentlichen Termine mit dem Therapeuten haben wir auf 6-8 wöchige Abstände geplant und während der 45 Min. eigentlich wie alte Bekannte geplaudert. Hurra, ich bin wieder ganz gesund.

 

Zwei Tage vor Heiligabend nun das fast vergessene Gefühl im Bauch beim Aufwachen: das Herz rast, mir ist übel, die Beine fühlen sich fremd an und die Hände  kribbeln. Sofort fangen die Gedanken an zu rasen; all die Dinge, die in den nächsten Tagen geplant sind und auf die ich  mich gefreut habe erscheinen unmögliche Hürden. Morgen zur Arbeit gehen ? (ich hatte mich drauf gefreut, da es um die Festtage oft etwas ruhiger ist) Schon beim Gedanken daran muss ich mich übergeben. Mit den angereisten Eltern den Tag verbringen, wie geplant das Weihnachtsfest heute vorzuziehen? Ich gerate in schiere Panik, verkrieche mich unter der Bettdecke.

 

Ich merke schon, wie ich wieder dünner werde, kann kaum essen, mit Gewalt etwas trinken.

Es gibt Phasen am Tag, da kann ich es kurz verdrängen, funktioniere für ein paar Minuten fast normal. Und dann wieder die Schatten.

Das Schlimmste an diesen psychischen Erkrankungen ist das Unsichtbare, nicht greifbare. Wie gerne hätte ich statt dessen ein gebrochenes Bein oder eine echte, organische Erkrankung. Da wären Ursache und Therapie greifbar und es wäre einfacher zu erklären.

So rätseln die armen Kollegen, die jetzt meine Schichten um Weihnachten machen müssen, was der eigentlich so fröhliche Kerl wohl plötzlich haben mag.

 

Frohe Weihnachten btw

12

Als ich an diesem Mittwoch auf die Station komme, ist die Stimmung merklich anders. Nomalerweise wird man schon auf dem Flur fröhlich begrüsst, man hört von irgendwo einen der vielen Kollegen lachen und es herrscht ein betriebsames Treiben. Im Hintergrund aus einem Patientenzimmer eines der vielen Hinweisgeräusche der vielen medizinischen Geräte. Heute ist es still.

Kollegin S. kommt mir entgegen. Normalerweise lächelt sie mich an, fragt nach dem Befinden, und kommentiert den aktuellen Stand der von ihr betreuten Patienten mit einem, maximal zwei Schlagwörtern. Heute flackert Ihr Blick, sie hält meinem nicht stand.

Der Patient in ihrem Zimmer liegt abgedeckt unter dem weissen Laken. Man ahnt nur die Konturen, er hat so sehr abgenommen in den letzten Wochen. Die um sein Bett aufgebauten Maschinen, die nach und nach mehr wurden und immer mehr Funktionen seines kleinen Körpers ersetzt haben, sind ausgeschaltet und schweigen. Die vielen Katheter und Schläuche zur Aufrechterhaltung und Überwachung seiner Organfunktionen sind bereits entfernt worden.

Seit fast einem Vierteljahr lag er schon bei uns. Anfangs war das ganze Team hochmotiviert. In einem Bereich der Medizin, wo  der Altersdurchschnitt sehr hoch ist, haben wir uns fast gefreut, endlich jemandem helfen zu können, der sein ganzes Leben noch vor sich haben sollte. Im Verlauf der Wochen kehrte sich diese Euphorie ins Gegenteil um. Jeder winzige Schritt nach vorne wurde wenig später um mehrere grosse Schritte in die falsche Richtung zunichte gemacht. Wäre er kein Kind, wir hätten lange eingesehen, dass wir mit unseren Mitteln am Ende sind. Aber so blieb die Hoffnung, dass sein kleiner Körper sich wieder erholen würde.

Nach und nach fiel immer mehr Kollegen auf, dass sie das Zimmer mit dem kleinen Patienten vermeiden. Man kommt etwas früher zur Arbeit, um sicher in einem anderen Bereich der Station eingeteilt zu werden. Es gibt Teambesprechungen, in denen ein ähnlicher Fall der Vergangenheit besprochen wird, bei dem viele innerlich schon aufgegeben hatten.  Kurz wirkt diese Motivation, aber die Verzweiflung wächst mit der Anzahl der Wochen Liegezeit bei uns.

Kollegin S. hatte es lange geschafft, nicht in diesem Zimmer zu arbeiten. An diesem Mittwoch hat sie sich aber bereit erklärt, da es sonst auch keiner gewollt hätte.

Gegen Mittag war der Patient nun verstorben. Etwas überraschend. An einem solchen Zeitpunkt der Intensivtherapie stirbt man nicht einfach. Dafür arbeiten die Maschinen zu zuverlässig. Die Therapie wird aktiv eingestellt.

Ich zwinge mich, noch einmal am Bett zu sitzen, und das Laken zurück zu schlagen. So friedlich sah er noch nie aus, seit er bei uns lag.  Und während ich mich verabschiede, wird das Zimmer bereits geputzt und die Maschinen neu aufgerüstet. In zwei Stunden wird der nächste Patient erwartet.

Auch wenn ein Kind stirbt,dreht die Welt sich weiter.